Hildesheim, 20.08.2017

Die Bombe in der Nachbarschaft


Fotos: O. Ortlepp

Pressemitteilung: Die Bombe in der Nachbarschaft

Ihre Ansprechpartnerin: Ursula Fröhner

Es war ein ganz normaler Geschäftsbetrieb an einem Mittwoch im DRK-Zentrum Hildesheim. Im Keller war der DRK-Shop für Bekleidung geöffnet, im Erdgeschoss lief ein Erste-Hilfe-Kursus; im Obergeschoss war die BSP-Vorbereitungsgruppe mit den Vorarbeiten für den Blutspendetermin am nächsten Tag befasst.

Gegen 15.15 Uhr meldete der Erste-Hilfe-Ausbilder Klaus Ruthke, dass per Lautsprecherdurchsage die Schüler der Friedrich-List-Schule direkt neben dem DRK-Kreisverbandsgebäude aufgefordert wurden, wegen eines Bombenfundes das Schulgebäude zu verlassen. Er brachte seinen Lehrgang zu einem sinnvollen Abschluss und beendete diesen ausnahmsweise etwas früher.

Auch die Helfer des Blutspendeteams schlossen ihre Vorbereitungen vorzeitig ab. Die Salate waren fertig und der Apfelkuchen gebacken. Gegen 16.00 Uhr verließen die Helfer, die teilweise in unmittelbarer Nähe des Kreisverbandes wohnen, das DRK-Zentrum. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits ein erstes Bild der bei Bauarbeiten aufgefundenen 250 kg schweren britischen Fliegerbombe im Internet. Sie lag ungefähr 50 m von der Grundstücksgrenze des Roten Kreuzes Hildesheim entfernt auf dem Schulparkplatz.

Was dann folgte, war ein beispielloser Großeinsatz ohne jeden Vorlauf. 20 000 Menschen mussten noch in der gleichen Nacht aus der Hildesheimer Innenstadt in einem 1000-Meter-Radius um den Fundort evakuiert werden. Mehr als 800 haupt- und ehrenamtliche Helfer kümmerten sich in dieser Nacht um die Bürger. Die Evakuierung begann um 18.00 Uhr und war um 3.20 Uhr abgeschlossen. Um 3.50 Uhr war die Bombe entschärft.

Die Mitarbeiter der ambulanten Pflege der DRK-Sozialstation konnten die Kunden im Abenddienst noch vor der Evakuierung versorgen.

Die Alarmierung des DRK-Einsatzzuges erfolgte kurz vor 19 Uhr. Ab 20 Uhr richteten etwa 30 Rotkreuzhelfer in der Renataschule eine Betreuungsstelle für 500 Menschen ein. Bereits zeitgleich kamen die ersten Menschen an der Schule an. Sie wurden registriert und mit Kaffee, Tee, Wasser sowie einer warmen Mahlzeit versorgt. 80 Feldbetten standen bereit, 80 weitere wurden vom Nachbarkreisverband Alfeld angeliefert. Unterstützt wurden die Hildesheimer Kräfte auch durch Helfer aus dem Kreisverband Hildesheim-Marienburg.

Zwei Senioreneinrichtungen lagen im Evakuierungsgebiet. Die Bewohner wurden in die Renataschule und in die Robert-Bosch-Gesamtschule gefahren, wo der Malteser Hilfsdienst eine weitere Betreuungsstelle betrieb. Eine dritte Notunterkunft wurde in der Halle 39, einem Veranstaltungszentrum, aufgebaut. 

In der Renataschule dauerte der Betreuungseinsatz bis 9 Uhr morgens. Zu diesem Zeitpunkt war der Frühdienst der DRK-Sozialstation schon lange wieder unterwegs. Es war im DRK-Zentrum normaler Geschäftsbetrieb, obwohl viele ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter selbst von der Evakuierung betroffen waren. 

Der DRK-Shop für Bekleidung öffnete pünktlich seine Türen, die Gruppe Gedächtnis-training traf sich im Obergeschoss. Der Blutspendetermin fand statt wie geplant. 

Gertrud Schmidt, mit 89 Jahren die älteste ehrenamtliche Mitarbeiterin beim Roten Kreuz Hildesheim, hatte die Nacht auf dem Sofa einer Bekannten verbracht. Aber wie die anderen Ehrenamtlichen, die alle wenig Schlaf bekommen hatten, trat sie pünktlich den Dienst zum Blutspendetermin an.

Am Nachmittag rückte der Einsatzzug ein. Die Renataschule war geräumt, Helfer, Fahrzeuge und Material wieder im DRK-Zentrum. 

Wir danken allen ehrenamtlichen Helfern für ihren unermüdlichen und zuverlässigen Einsatz und wir danken unseren Spendern und Mitgliedern, die es uns durch ihren Beitrag erst möglich machen, hier vor Ort zu helfen.